Echte Schlesische Happen: Geschmack im Porzellan – „Illustrierte Gurke“ trifft Tiefenfurt
Ein Berliner auf einem antiken Teller wird zum Ausgangspunkt einer Reise durch die Porzellangeschichte Niederschlesiens. Von Tiefenfurt und seinen Manufakturen über ihre Menschen bis hin zur Frage, wie schlesisches Porzellan bis heute Alltag, Erinnerung und Genuss miteinander verbindet.
Vor Kurzem saß ich in einem Café und wartete auf ein Treffen. Das Lokal war ausgesprochen angenehm und stimmungsvoll. Um mir die Zeit ein wenig zu versüßen, bestellte ich einen Kaffee und einen Berliner dazu. Daran wäre nichts Besonderes gewesen, hätte mich nicht der Teller angelächelt, auf dem dieses Gebäck serviert wurde. Ich drehte ihn um – und da wartete eine Überraschung: originales Porzellan aus Tiefenfurt!
Die Schaulade, Europa – Journal für Porzellan, Keramik, Glas, Hausrat 1937 H12.Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek
Doch ich sollte wohl noch etwas beichten. Ich habe eine große Schwäche für Küchenausstattung: Ich liebe Schüsseln, Teller, Glaswaren, Backformen und Töpfe. Von schönen Gefäßen kann man einfach nie genug haben. Deshalb fahren wir auch jedes Jahr nach Bunzlau (Bolesławiec), um unser Service zu ergänzen. Ebenso eilig ziehe ich über schlesische Flohmärkte, stets auf der Suche nach besonderen Stücken, ausgewählt nach meinem ganz persönlichen „Schlüssel“.
Die dort entdeckten Schätze erzählen ihre eigenen Geschichten – von jenen, denen sie einst gehörten, und davon, wie sie im Strudel der Zeit erneut auf den Markt gelangten, um ihre neue, zeitgenössische Geschichte anzufangen.
Niederschlesien – ein Zentrum der Porzellankunst
Wäre es nicht faszinierend, in der Zeit zurückzureisen und einen Blick in all die Porzellan- und Steinzeugfabriken zu werfen, die einst in Niederschlesien tätig waren und deren Produkte weltweit Abnehmer fanden? Anfang, Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts bestimmten sie die Entwicklung ganzer Orte, von denen sich manche auf wahre Meisterwerke der Porzellankunst spezialisierten.
Historischen Quellen zufolge war jedoch Carl Hans Tuppack der Pionier: Bereits 1808 begann er seine Tätigkeit in Tiefenfurt und erlangte 1865 Berühmtheit durch seine Dekore „China-blau“ und „China-rot“.
Genauso war es mit dem kleinen Dorf Tiefenfurt (heute: Parowa), unweit von Bunzlau gelegen. Hier befanden sich Manufakturen, deren Marken einst weit über die Grenzen Schlesiens hinaus bekannt waren.
Eine von ihnen gehörte dem aus Thüringen stammenden Kuno Hugo Steinmann und exportierte ihre Erzeugnisse nach Amerika, Australien sowie Ostindien. Das Familienunternehmen, später von seinem Sohn weitergeführt, entwickelte sich äußerst dynamisch. Das Porzellan mit dem Markenzeichen „Silesia“ umfasste Frühstücks-, Tee- und Kaffeeservices, Waschsets, Brot- und Kuchenkörbe, Pflanzgefäße, aber auch Rasierbecher, Krüge, Kannen, Eierbecher und Kerzenhalter.
Die Schaulade, Europa – Journal für Porzellan, Keramik, Glas, Hausrat 1937 2.Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek
Interessanterweise heiratete Steinmanns Sohn Walter Maria Donath, die Tochter des Konkurrenten Paul Donath. Angeblich hatte diese Verbindung jedoch keinen Einfluss auf die Produktion der handbemalten Porzellane beider Betriebe.
Die erwähnte Porzellanmanufaktur von Paul Donath wurde im Jahr 1883 unter dem Namen Schlesische Porzellanfabrik P. Donath gegründet. Sie stellte sowohl luxuriöse als auch alltägliche Gebrauchskeramik her und exportierte ihre Waren nach England, Amerika, Russland, Frankreich, Schweden und in die Türkei.
Innovation in Form und Struktur
Diese Porzellanbetriebe gehörten zu den ersten in der Region, die als Aktiengesellschaften geführt wurden. Neben der Tatsache, dass ihre handgefertigten Dekore internationale Märkte eroberten, waren sie somit auch rechtlich und wirtschaftlich sehr innovativ.
Historischen Quellen zufolge war jedoch Carl Hans Tuppack der Pionier: Bereits 1808 begann er seine Tätigkeit in Tiefenfurt und erlangte 1865 Berühmtheit durch seine Dekore „China-blau“ und „China-rot“. Angeblich stellte Tuppack während der Kriegsjahre auch Porzellan für Krakauer Restaurants her.
Die Schaulade, Europa – Journal für Porzellan, Keramik, Glas, Hausrat 1937 H9 3.Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek
Im Jahr 1946 wurde die Fabrik für Porzellan- und Steinzeugwaren von C. H. Tuppack, die zuvor unter dem Namen Porzellanfabrik Karl Hans Tuppack firmierte, verstaatlicht (Verordnung vom 11.10.1946). Ab 1960 befand sich in den Gebäuden der ehemaligen Tuppack-Porzellanfabrik ein Betrieb für Haushaltskeramik. Einer der Miteigentümer war Herr Andrzej Kowalczyk, der bis heute eine Keramikmanufaktur in Parowa führt. Er ist zudem einer der Initiatoren der Bunzlauer Keramikmärkte, die seit 1994 veranstaltet werden.
Den krönenden Abschluss dieser schlesischen Erzählung bildet ein Rezept für die „Illustrierte Gurke“ – eine kleine Vorspeise, selbstverständlich serviert auf edlem Porzellan aus der ehemaligen Manufaktur Echt Tuppack „KAROGOLD“.
Rezept für „Illustrierte Gurke“
Zutaten:
2 Gewürzgurken
200 g marinierte Heringe
2 hartgekochte Eier
50 g Mayonnaise
1 EL Senf
1 EL Weißwein
Salz
Pfeffer
einige Streifen eingelegte Paprika
Petersilie
4 Scheiben Schnittkäse
Die Mengenangaben sind nur als Orientierung gedacht – ich ermutige ausdrücklich zum Experimentieren. Mehr Hering oder mehr Ei? Ganz nach persönlichem Geschmack. Auch die Menge der Mayonnaise lässt sich variieren, je nachdem, wie cremig die Füllung sein soll.
Zubereitung:
Die Heringe in Würfel schneiden und mit fein gehackten Eiern, Mayonnaise, Senf und Weißwein vermengen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und alles gut verrühren.
Die Masse in die längs halbierten und ausgehöhlten Gewürzgurken füllen, mit Paprikastreifen und Petersilie garnieren. Einen Holzspieß hineinstecken und daran ein „Segel“ aus einer Käsescheibe befestigen – fertig ist diese charmante, historische Kleinigkeit.











