Süße Zwischenstopps an der Bahnhofstraße

wochenblatt.pl 2 godzin temu
Zdjęcie: Praliny orzechowo-migdałowe Foto: Małgorzata Janik


Es gibt Orte, zu denen wir nicht zurückkehren, um sie einfach noch einmal zu besuchen, sondern um ihre Atmosphäre wieder zu spüren und erneut in jene Zeit einzutauchen, als dank neuer Eisenbahnverbindungen eine Phase rasanter Entwicklung begann und die Zeit des Aufschwungs der lokalen Gastronomie wie ein Wirbelsturm hereinbrach.

Ein solcher Ort ist Kandrzin-Cosel (Kędzierzyn-Koźle) – eine Station, an der mein Zug aus Breslau jahrelang vorbeirauschte. Damals kannte ich nur den Bahnhof in seiner damaligen Gestalt, keineswegs jedoch jenen an der Bahnhofstraße (heute ul. Piastowska), der längsten und zugleich repräsentativsten Straße der Stadt. Die Schönheit der Architektur, oft mit Wien verglichen, und die Geschichten, die sich um sie ranken, entdeckte ich erst viel später.

Praliny orzechowo-migdałowe
Foto: Małgorzata Janik

Einladung zum Verweilen

Cosel (Koźle) war einst eine kleine Stadt mit rund zweitausend Einwohnern. Die Führung der Eisenbahnlinie durch den Ort Mitte des 19. Jahrhunderts ermöglichte die Verbindung mit Krakau und Wien. Damit eröffneten sich große wirtschaftliche Chancen, die Bevölkerungszahl wuchs, und der stetige Strom von Reisenden in verschiedenste Richtungen prägte das Stadtbild. Kein Wunder also, dass das Handwerkerverzeichnis von 1861 eine beeindruckende Liste an Manufakturen aufführt: darunter drei Brauereien, acht Bäckereien sowie je drei Pfefferküchlereien und Konditoreien.

Es gibt Desserts, die schon auf den ersten Blick etwas Besonderes versprechen. So empfehle ich nussige Pralinen: weich, zart schmelzend, mit einer feinen Pfefferkuchennote und dem ausdrucksstarken Aroma von goldenem Rum.

An der Bahnhofstraße befanden sich zwei Hotels, drei Restaurants sowie mehrere Konditoreien und Cafés. Im Haus Nummer 3 eröffnete 1893 die Konditorei und das Café der Familie Gemming – das erste Lokal, in dem Süßwaren auch zum Mitnehmen angeboten wurden. Gleichzeitig lud der modern eingerichtete Familienbetrieb zum gemütlichen Verweilen ein. Konzerte und Tanzabende gehörten ebenso zum Programm.

Postkarte 1913
Quelle: Schlesische Digitalbibliothek/ Śląska Biblioteka Cyfrowa

Laut dem Adressbuch von 1941 befand sich im Haus Nummer 2 das Hotel „Schwarzer Adler“, auch als Reisehotel bekannt. Es bot seinen Gästen nicht nur Übernachtungen, sondern auch eine gute Küche zu mäßigen Preisen. Inhaberin war Emma Wenzel. Zuvor war Paul Ludwig der Eigentümer des Hotels. Noch heute blickt uns unter dem bröckelnden Putz das Bild Cosel (Koźle) entgegen – eine stille Erinnerung an vergangene Glanzzeiten.

Das gastronomische Angebot am Bahnhof

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, unter der Nummer 17, lag das Restaurant von Carl Schmidt, untergebracht in einem Haus mit einem charakteristischen Türmchen. Das Lokal war für gutes Bier und Wein bekannt.

Postkarte 1915
Quelle: Schlesische Digitalbibliothek/ Śląska Biblioteka Cyfrowa

Aus Berichten der Wochenzeitung Der Oberschlesische Wanderer geht hervor, dass im Gebäude des Bahnhofs der Oberschlesischen Eisenbahn Cosel Kd. (Koźle / Kędzierzyn-Koźle) eine Restaurantpacht vergeben wurde. Eine im Juli 1883 veröffentlichte Ausschreibung lässt darauf schließen, dass es sich um einen bedeutenden Ort für die damalige Königliche Eisenbahndirektion mit Sitz in Breslau (Wrocław) handelte.

Postkarte 1932
Quelle: Schlesische Digitalbibliothek/ Śląska Biblioteka Cyfrowa

In der zweischiffigen Bahnhofshalle befanden sich gleich vier Wartesäle mit Restaurants. Reisende der I., II., III. und IV. Klasse konnten hier ausruhen, die Zeit zwischen den Zügen überbrücken und sich stärken. Die gestaffelten Preise machten das Reisen auch für weniger wohlhabende Menschen möglich – ein Ticket der IV. Klasse kostete beispielsweise nur etwa 20 % des Preises der I. Klasse.

Postkarte 1916
Quelle: Schlesische Digitalbibliothek/ Śląska Biblioteka Cyfrowa

Das gastronomische Angebot am Bahnhof und in seiner unmittelbaren Umgebung bot sicherlich Gelegenheit, regionale Spezialitäten kennenzulernen. Dazu zählten auch unscheinbare, doch äußerst feine Süßigkeiten – perfekt zu einer guten Tasse Kaffee. Vor meinem inneren Auge tauchte eine Anzeige aus den 1920er-Jahren auf: eine charmant klingende Aktion namens „Süße Woche“, bei der ein Süßwarengeschäft seinen Kundinnen und Kunden ab einem Einkauf von über 50 Pfennig eine Packung Rum- oder Weinbrandkugeln schenkte. Das Geschäft befand sich – natürlich – in der Bahnhofstraße.

Postkarte 1914
Quelle: Schlesische Digitalbibliothek/ Śląska Biblioteka Cyfrowa

Ja, es gibt Desserts, die schon auf den ersten Blick etwas Besonderes versprechen. So empfehle ich nussige Pralinen: weich, zart schmelzend, mit einer feinen Pfefferkuchennote und dem ausdrucksstarken Aroma von goldenem Rum. Umhüllt von einer luftigen Schicht aus Mandelblättchen und in einer Form, deren Leichtigkeit und warmer Goldton förmlich zum Feiern jedes Augenblicks einladen. Eine ideale Köstlichkeit für unterwegs – und ebenso für die gerade andauernde Karnevalszeit. Effektvoll, mit einem leisen „Oh“ und „Ah“ – vom ersten Anblick bis zum letzten Krümel.

Rezept für Mandel-Nuss-Kugeln

Zutaten:

200 g gemahlene Nüsse (Walnüsse und/oder Haselnüsse)
100 g gemahlene Mandeln
50 g zerbröselter heller Pfefferkuchen
2 Esslöffel Honig
50 ml Rum oder Likör

Foto: Małgorzata Janik

Zubereitung:
Alle Zutaten in eine Schüssel geben und gründlich verrühren, bis eine homogene Masse entsteht. Abgedeckt für etwa 15 Minuten in das Tiefkühlfach stellen.

Aus der gekühlten Masse mit einem Teelöffel kleine Portionen abnehmen und mit den Händen zügig Kugeln formen. Anschließend in gemahlenen Haselnüssen wälzen.

Die Kugeln in einer Dose im Kühlschrank aufbewahren – zumindest theoretisch, denn sie werden vermutlich schneller vernascht, als man denkt

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