Und was wäre, wenn man einfach in den Zug stiege – aber keineswegs in irgendeinen?
So machte ich mich auf zu einem kleinen Ausflug nach Schweidnitz (Świdnica). Zwar galt mein eigentliches Ziel dem Trödelmarkt, doch der Tag erwies sich unerwartet als recht anstrengend. Ich kehrte also langsam zum Bahnhof zurück und sehnte mich nach einer guten Tasse Kaffee. Einen konkreten Plan, wo ich ihn trinken würde, hatte ich nicht. Beim Betrachten der architektonischen Details des Bahnhofs fiel mir jedoch ein Lokal mit dem Namen „Paśnik“ ins Auge. Ich trat ein, sah mich um, machte mit Zustimmung des Personals ein paar Fotos – und reiste gedanklich in der Zeit zurück.
Kaffee, Architektur und eine kleine Zeitreise
Ein reizvoller, großzügiger Ort mit freundlichem Personal – und selbstverständlich mit ausgezeichnetem Kaffee. In der Speisekarte las ich die Zutaten eines faszinierenden „Eisenbahner-Burgers“. Burger gehören zwar nicht zu meinen Favoriten, doch der Name gefiel mir außerordentlich.
Foto: www.kleinbahn.plDas Angebot von „Paśnik“ richtet sich klar an den heutigen Gast, wenngleich mir ein Stück Kuchen zum Kaffee ein wenig fehlte. Bequem sitzend und auf meinen Rückzug wartend, fragte ich mich, wie wohl eine Bahnhofsgaststätte vor hundert Jahren ausgesehen haben mochte.
Bahnhöfe als Orte der Gastlichkeit
Wie sich herausstellt – und das ist höchst bemerkenswert – verpachteten oder verkauften die Eisenbahnen damals Teile der Bahnhofsgebäude für Wartesäle, in denen man essen und trinken konnte. Solche Lokale wurden sehr häufig von Frauen geführt. In den Gaststätten war zudem Personal für den Service und die Zubereitung der Speisen beschäftigt.
Quelle: www.kleinbahn.plMeine niederschlesische Reise begann am Bahnhof in Trebnitz (Trzebnica). Einst trug die Station den Namen Hedwigsbad, und zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfügte das kleine Kurstädtchen sogar über mehrere Bahnhöfe. Im Bahnhofsgebäude befand sich ein Restaurant unter der Leitung von Fr. G. Tellmann, und auf dem überdachten, von Rankpflanzen malerisch bewachsenen Bahnsteig stand den Gästen ein großzügiger Biergarten zur Verfügung. Gleich daneben lag der Gasthof „Zum Preußischen Hause“, Eigentum von C. Nitsche, der zugleich als Wartesaal für die Fahrgäste der Kleinbahn diente.
Lokal “Paśnik” im Schweidnitzer Bahnhof Foto: Małgorzata JanikIn einem anderen Teil der Stadt befand sich zudem ein Hotel, das häufig als „Logierhaus beim Kleinbahnhof“ beworben wurde, geführt von Paul Spremberg. Es lag an der Ecke der Militscherstraße (heute Milicka) und der Villenstraße (heute J. Olszewskiego) und grenzte auf der rechten Seite an den Lokschuppen. Damit war es eine weitere Station auf der kulinarisch-eisenbahngeschichtlichen Route.
Kulinarik zwischen Gleisen und Geschichte
Neben den Wartesälen konnten sowohl Touristen als auch die Einwohner von Trebnitz das gastronomische Angebot nutzen. Wein, Bier, Liköre und Säfte – von lokalen Erzeugern – standen ebenso auf der Karte wie Getränke aus anderen Regionen Schlesiens und darüber hinaus.
Quelle: www.kleinbahn.plAus Zeitungsanzeigen lässt sich schließen, dass man sich im Sommer mit vor Ort hergestelltem Eis erfrischen konnte, das mithilfe einer elektrischen Eismaschine produziert wurde. Hungrigeren Gästen bot man kalte und warme Imbisse, Suppen sowie Hauptgerichte an.
Quelle: Wrocławskie Osiedle OporówDie Strecke Trebnitz – Schweidnitz führte selbstverständlich über Breslau (Wrocław), wo man einst ebenfalls so manche Reisepause in einer Bahnhofsgaststätte überbrücken konnte, etwa auf der Station Löhbrück (heute Muchobór Wielki). Ein Blick auf historische Fotografien der Wartesäle zeigt, dass den Gästen eine beachtliche Auswahl an Getränken zur Verfügung stand und die Lokale zum Verweilen einluden.
Bahnhöfe waren einst nicht nur Orte des Wartens, sondern auch des Genusses und der Begegnung.
Interessant ist zudem, dass manche Gaststätten und Wartesäle in Klassen unterteilt waren: I., II. und III. Klasse. Einerseits verschönerten sie den Reisenden die Zeit und erhöhten den Komfort des Reisens, andererseits belebten sie die wirtschaftliche Entwicklung der Orte. Rund um Gasthäuser, Hotels und Restaurants sammelten sich Bäcker, Konditoren, Metzger, Landwirte und verschiedene Dienstleister.
Lokal “Paśnik” im Schweidnitzer BahnhofFoto: Małgorzata Janik
Auf den Tischen lagen oft schneeweiße Tischdecken, frische Blumen standen in Vasen – jemand musste also auch für eine ansprechende und gepflegte Dekoration sorgen. Zudem wurde die regionale Küche mit ihren Spezialitäten beworben; als Werbemittel dienten etwa im Umlauf befindliche Postkarten oder bedruckte Gläser.
Quelle: www.kleinbahn.plHeute sind all dies nur noch stumme Zeugen vergangener Zeiten. Selbst wenn das Bahnhofsgebäude noch steht, fehlt meist der Raum, um ruhig Platz zu nehmen, etwas zu trinken oder zu essen und mit dem Wirt oder der Wirtin ins Gespräch zu kommen. Umso mehr lohnt es sich, den Bahnhof im reizvollen Schweidnitz zu besuchen – und sich davon zu überzeugen, dass es dort noch immer angenehm, schmackhaft und gemütlich sein kann.
Bier kalte Schale nach dem Rezept aus dem Jahr 1933
Zutaten:
1 l Braunbier
4 Zitronenscheiben
65 g Korinthen
65 g geriebenes schwarzes Brot
Zucker nach Geschmack

Zubereitung:
Sämtliche Zutaten werden mehrere Stunden vor dem Servieren (mindestens 2 Stunden) vermischt, zugedeckt und zum Durchziehen beiseitegestellt.
Vor dem Servieren abschmecken.





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